Freiheit - was ein Einhorn beflügelt

Toni vom Instagram Account twoandahalfunicorn schreibt für uns über die Nähe und die Bindung zu ihren Kindern.

stay close. feel free.

Ich laufe über den warmen Asphalt in Richtung Straßenbahn.
Müde, aber glücklich.

Die Turnschuhe in der einen Hand, in der anderen das letzte Bier. Ich höre die Vögel zwitschern, während am Horizont langsam die Sonne aufgeht. Mein einer Topträger hängt mir über die Schultern, während ich meine Nase in den Himmel stecke, die letzten Züge der warmen Sommernacht einatme und in die Straßenbahn einsteige. Mit dem Kopf am Fenster gelehnt beobachte ich wie die Welt langsam zu leben beginnt, die ersten Lichter in den Fenstern angehen und fühle mich frei.

So eine typische Sommernacht war für mich der Innbegriff von Freiheit.
Ausgehen, tanzen, nur auf mich Acht geben, die Zeit vergessen, spontan sein und im Jetzt leben.

Mit meinem ersten positiven Schwangerschaftstest in der Hand habe ich an vieles gedacht: Finanzen, wie sich mein Körper verändern wird, wird mein Kind gesund sein und ein paar Wochen vor der Geburt auch „Ahhhh, irgendwie muss es da auch raus“, aber Gedanken über meine Freiheit? Ja, die erste Zeit wird anstrengend, schlaflos und ich werde niemals allein sein. So waren meine Gedanken und so trafen sie auch ein.

Mit zwei Kindern bin ich mittlerweile so spontan wie ein Fahrplan und sooft allein wie ein Staubkorn unterm Sofa, aber bedeutet frei sein überhaupt zwingend auch alleine sein?

Zugegeben, so ein alleiniger Toiletten- oder Duschgang lässt mich zwar kurz entspannen, aber Freiheit ist für mich ein anderes Gefühl geworden.

Das spüre ich, wenn mein Wölfchen ganz nah in der Trage an mir ist, ihr Köpfchen auf mein Herz legt, die Augen schließt und ich für einen Moment einfach nur dastehe und liebe.

Das spüre ich, wenn ich vor meinem Kleiderschrank stehe und auswähle, was mir wirklich gefällt und nicht, was anderen gefallen könnte.

Das spüre ich, wenn ich einkaufen gehe und Lebensmittel in meinem Korb landen, die ich liebe und keine die Angst vor einer steigenden Zahl auf der Waage auslösen.

Das spüre ich, wenn ich im Bikini am Strand liege und mir Schwangerschaftsstreifen und Dellen egal sind.

Das spüre ich, wenn ich Entscheidungen für mich und meine Familie treffe, für sie einstehe und kämpfe.

Freiheit bedeutet für mich mittlerweile, mein Leben so zu gestalten, dass nicht nur ich glücklich bin, sondern mein ganzes Rudel.

Freiheit ist nicht nur ein Moment, sondern ein (Lebens)Gefühl für mich geworden. Ich bin mein eigener Schmied und möchte eigene Wege gehen - Keine Trampelpfade nachlatschen. Denn ob ich mein Leben so lebe und gestalte, wie es sich tief im Herzen anfühlt oder es nach anderen Werten und Vorstellungen lebe, trägt unweigerlich dazu bei, ob ich frei bin oder nicht.

Fidella Unicorn Tragetuch

Nach den Geburten meiner zwei Kinder habe ich mich im ersten Moment von mir entfernt und bin dann stärker und mutiger zu mir zurückgekehrt.

Weniger die Frage „Wer bin ich eigentlich?“.

Mehr Antworten „So bin ich“.
Meine Interessen und Prioritäten haben sich verschoben, sich angepasst.
Weniger Oberflächlichkeiten bestimmen mein Denken.
Wie ein kleines Stapelmännchen, dessen Teile noch gleich sind, nur anders zusammengesteckt. Klar ist es schön, wenn der Eyeliner sitzt, aber ich kann mittlerweile auch ganz gut ohne das Haus verlassen.

Auch wenn der Alltag mit Kindern jeden Tag aufs Neue ein Abenteuer ist und ich mir manchmal acht Arme, vier Ohren und Wäsche, die sich von allein bügelt, wünsche, so mag ich, zumindest grob, wissen was morgen ist. Das gibt nicht nur mir Sicherheit, sondern auch meinen Kindern.

Eigene Interessen oder gar Hobbys stehen im turbulenten Alltag zwar oft hinten an, sind aber kein Ding der Unmöglichkeit.

Ich liebe meine Arbeit, die Fotografie, das Schreiben, Backen und das kreativ sein in so vielen verschiedenen Bereichen und versuche mir dafür bewusst Zeit zu nehmen und einzuplanen. Zum Glück sind das alles Dinge für die ich überwiegend mein Köpfchen und meine Hände brauche, die ich dank meiner Trage immer frei habe.

Wieso sollten meine Hobbys nur allein stattfinden?

Wieso das Kind nicht einfach mit einbauen?

Bei meinem ersten Kind war ich zeitweise verzweifelt, weil ich nichts mehr alleine machen konnte. Ich konnte ihn nirgends ablegen und hatte ihn so immer auf dem Arm.

Hey Popeye.

Erst ziemlich spät, mit über einem Jahr, habe ich durch Zufall das Tragen für uns entdeckt und hatte zum ersten Mal das Gefühl wieder ein bisschen mehr Ich sein zu können.
Einzig allein dadurch, dass ich meine Hände frei hatte, meinen Tag gestalten konnte UND das Kind glücklich war, weil es meine Nähe hatte.

Fly Tai Tragehilfe im Wolfdesign

Mein Wölfchen hatte also das Glück und wurde von Anfang an getragen. Von Anfang an machen wir einfach zusammen die Wäsche, essen zusammen, fotografieren zusammen, saugen zusammen und schwingen den Kochlöffel zusammen.

Sie kann in der Trage schlafen, sich umschauen, ein Teil sein und ich kann sie so sogar darin stillen. Ich bin entspannt, weil ich beide Hände frei habe und meine Listen abarbeiten kann und sie ist entspannt, weil sie Mama stets um sich hat, meinen Herzschlag spürt und hat sogar deutlich weniger Bauchschmerzen, weil durch die aufrechte Haltung die bösen Luftblasen es schwieriger haben, im Bauch zu bleiben.

Eine Win-win Situation also.

Und genau das bedeutet "stay close. feel free." für mich:
Wir sind zusammen und trotzdem bin ich frei, kann ich sie frei sein lassen.
Mehr wir.
Weniger Du und Ich.

Blogkategorie: Erfahrungsberichte

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