Antworten zur Nutzung eines Tragetuchs


Was macht ihr mit dem Tragetuch?

Sein Baby mit einem Tuch eng am Körper zu tragen ist eine uralte Kulturmethode, die besonders in Nicht-Industrie-Nationen noch sehr beliebt ist – dort ist es Müttern fast unmöglich, sich nur auf das Kind und sein Aufziehen zu konzentrieren, oder es in den Kindergarten zu geben. Es ist normal, dass das Baby dabei ist, egal, was die Mutter macht.

Mit einem Tragetuch kannst du dein Kind bestens in den Alltag integrieren: Weil du dein Kind die gesamte Zeit spürst, musst du es nicht die gesamte Zeit im Auge behalten, wie es etwa im Kinderwagen oder dem Maxi Cosi der Fall ist. Wenn es dir dein Chef oder deine Chefin erlaubt, dann kannst du mit deinem Liebling vor dem Bauch oder dem Rücken auch ganz normal arbeiten gehen.

Natürlich kannst du dein Kind in der Freizeit wunderbar mittragen, spazieren gehen, Freunde besuchen und, und, und.

Auch Hausarbeiten gehen gut von der Hand, gerade wenn du, nach ein bisschen Übung, dein Kind auf den Rücken binden kannst. Dann kannst du auch körperlich arbeiten, ohne dein Kind ständig im Blick haben zu müssen. Das ist alles Übungssache, genauso wie Sockenanziehen in der Schwangerschaft.

Du solltest nur darauf achten, dein Kind nicht zu gefährden, z.B. wenn du kochst oder bügelst. Dann ist es ratsam, dein Kind wirklich auf den Rücken zu binden. Es gibt auch tragende Mütter, die davon erzählen, wie sie ihr Kind während der Hausrenovierung wie selbstverständlich getragen haben. Sie bohrten sogar Löcher mit der dicken Bohrmaschine, ohne das Kind abzulegen.

Du solltest dich also selbst fragen, ob eine bestimmte Situation nicht zu gefährlich für dich und dein Kind sein könnte, wie etwa eine Leiter hochzuklettern.


Wie viele Stunden kann ich mein Kind im Tragetuch tragen?

Du kannst dein Baby theoretisch 24 Stunden am Tag an deinem Körper tragen. Wenn es deinem Baby zu viel wird, wird es sich schon bemerkbar machen. Du solltest jedoch auch auf dich achten, denn es sind zusätzliche Kilos, die du mit dir herumträgst, die sich je nach Wickeltechnik unterschiedlich auf deinen Körper verteilen.

Kurz nach der Geburt solltest du eher auf kürzere Tragezeiten achten, da der Beckenboden oder eventuell die Kaiserschnittnarbe nach der Entbindung geschont werden sollten. Danach kannst du die Tragezeiten problemlos steigern – bis dein Baby nicht mehr getragen werden will, weil es die Welt lieber auf eigenen Beinen erkunden möchte.

Für den Babyrücken ist das Tragen nicht schlimm: Die Wirbelsäule des kleinen Menschen entwickelt sich erst langsam zur S-Form eines älteren Kindes oder Erwachsenen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es völlig normal, dass dein Kind erst einmal in sich zusammensackt, wenn du es aus dem stabilisierenden Tragetuch nimmst.

Es gibt aber auch Empfehlungen von Orthopäden, die von einseitigen stundenlangen Tragen abraten, nicht, weil es schlecht für den Babyrücken ist, sondern weil Säuglinge häufig wechselnde Positionen brauchen. Aber auch dafür gibt es verschiedene Wickelweisen, um seinem Kind Abwechslung zu bieten.


Wie lange kann ich mein Baby im Tragetuch tragen?

Wenn du dich fragst, bis zu welchem Alter dein Kind im Tragetuch gut aufgehoben ist, solltest du auf dein Kind hören: du wirst schon bemerken, wann es nicht mehr getragen werden möchte. Natürlich solltest du auch auf deinen Körper achten und das Kind rechtzeitig ablegen, bevor es dir zu schwer wird.

Gerade bei Laufanfängern ist das Tragetuch eine gute Sache und lange nutzbar: Sobald dein Kind nicht mehr laufen möchte, holst du dein Tuch aus der Tasche und wickelst dein Kind ein. Dann musst du auch den leeren Kinderwagen nicht herumschieben.


Bis zu wie vielen Kilo kann ich mein Kind im Tragetuch wickeln?

Wie schwer dein Kind im Tragetuch sein kann, hängt mit dem verwendeten Material zusammen: Ein elastisches Tragetuch hält maximal ein neun Kilo schweres Kind gut und sicher, wobei manche Hersteller auch Modelle bis 15 Kilo anbieten.


Was kann ich beim Tragetuch falsch machen?

Schon beim Kauf solltest du auf das richtige Tragetuch achten, es sollte groß genug für verschiedene Bindeweisen sein, das Gewicht deines Kindes tragen und das Gewicht deines Lieblings gut auf deinen tragenden Körper verteilen.

Wenn du noch nicht so geübt beim Binden ist, passiert es häufig, dass du dein Tragetuch zu locker bindest: Dann ist der Rücken nicht ausreichend stabilisiert, das kann zu Haltungsschäden führen. Wenn du das Tuch bindest, sollte es straff sitzen, aber elastisch sein. Außerdem darf das Tuch nicht einschneiden. Deswegen ist es auch ratsam, deinem Baby Kleidung anzuziehen, die eine Nummer größer ist.

Um die körperliche Entwicklung nicht zu beeinträchtigen, sollte dein Kind in der sogenannten „Anhock-Spreiz-Haltung“ sitzen: Das Tuch sollte so sitzen, dass dein Kind die Beine, die Knie also etwa auf Hüfthöhe sitzen. So entstehen keine Hüftschäden.

In den ersten Lebenswochen ist die Nackenmuskulatur deines Kindes noch nicht stark genug, um den Kopf zu tragen. Deswegen solltest du auf eine gute Kopfstabilisierung achten.

Das Gesicht deines Babys sollte zudem immer zu deinem Körper gerichtet sein, damit dein Baby automatisch eine korrekte Körperhaltung annimmt. Außerdem wird es nicht durch Reize der Umwelt überfordert. Wenn dein Kind etwas mehr von der Welt sehen soll, kannst du es gut auf der Hüfte oder deinem Rücken tragen.

In vielen Städten gibt es mittlerweile zertifizierte Trageberater und Trageberaterinnen die ebenso wie Hebammen Tragekurse anbieten. Hier wird dir gezeigt, wie du dein Baby am besten trägst und du bekommst noch zahlreiche andere Tipps.


Wie gewöhnt sich mein Baby an das Tragetuch?

Am besten ist es, wenn du schon früh anfängst, dein Kind im Tragetuch zu tragen, bevor es sich an andere Dinge, wie Kinderwagenschieben, gewöhnt. Denn das Tragen ist die natürlichste Methode des Babytransportes – deswegen ist die empfohlene Anhock-Spreizhaltung auch ein Urinstinkt: Beobachte dein Baby. Wenn du es hochnimmst, winkelt es automatisch die Beine an, um sich an deinen Körper anzuschmiegen.

Eigentlich passiert es automatisch, dass dein Kind nicht heult, wenn du es im Tuch nah bei dir hast. Und sobald dein Kind neugierig auf die Welt ist, fängt es automatisch an, sich von Deinem Tragetuch zu entwöhnen und nur noch zum Schlafen wieder in das Tragetuch möchte.


Warum schreit mein Kind im Tragetuch und will nicht getragen werden?

Wir Menschen in der westlichen Welt sind die einzigen Säugetiere, die ihr Baby in der ersten Zeit auf der Welt nicht ganz nah bei sich tragen, eigentlich sollte das Tragetuch das Normalste und Schönste auf der Welt sein.

 

Deswegen solltest du den Gründen des Weinen und Schreiens auf den Grund gehen:

Vielleicht ist das Tuch nicht optimal gebunden und es ist zu unbequem für dein Baby. Kann es sein, dass es nur schreit, weil das Tragetuch neu ist? Gibt ihm oder ihr Zeit, sich dran zu gewöhnen, trage es nur eine kurze Zeit und steigere dich langsam.

Vielleicht hat es eine Blockade, die ein Arzt untersuchen sollte?

Eventuell schreit dein Kind im Tragetuch auch, weil es zu neugierig auf die Welt geworden ist und mehr von seiner Umwelt sehen möchte. Dann hilft es auch, wenn du eine andere Wickeltechnik benutzt, damit es sich gut umschauen kann.


Wie werden Babys in Tragetüchern auf der Welt getragen?

In Peru heißen Tragetücher Mantas und sehen genauso wie die mexikanischen Rebozo aus: Sie haben viele Fransen und sind sehr bunt. In beiden Ländern dient das Tragetuch nicht nur als Baby-Transporter, sondern es wird wie ein normales Kleidungsstück getragen. In Nordamerika tragen Indianerinnen ihre Babys in Cradleboards, einem hölzernen Wiegenbrett oder Papoose. Wer sich mit einer Frau aus Afrika über ein Tragetuch unterhalten möchte, fragt am besten nach ihrem „Kanga“, einem großen Stück Stoff, um den jungen Afrikaner auf dem Rücken zu tragen.

In Grönland tragen die Menschen ihre Babys in der Kapuze des Amauti, einem Parka, der etwa aus Seehundfell oder einem schweren Wollfstoff (Düffel) gefertigt wird.

In China und in anderen asiatischen Ländern ist der Mei Tai, eine Rückentrage, beliebt.